Ich betreibe einen kleinen Betrieb für naturnahe Landschaftspflege im Allgäu. Vor fünf Jahren stand ich vor einem Problem: Unsere Hanglagen waren zu steil für Traktoren, und der Bagger zerstörte mehr Boden als er half. Ich suchte nach einer Lösung, die wirtschaftlich bleibt und trotzdem den Boden schont. Ein befreundeter Pferdehalter empfahl mir, es mit einem Gebirgspferd zu versuchen. Ich lachte erst, aber dann las ich mich gründlich ein. Dabei stieß ich auf eine Seite, die mir die Besonderheiten dieser Rasse genau erklärte – Haflinger sind für solche Arbeiten wie geschaffen. Also kaufte ich zwei Stuten und begann ein Experiment, das mein Unternehmen komplett veränderte.
Die ersten Wochen waren hart. Ich hatte keine Erfahrung mit Zugpferden. Mein alter Nachbar, ein Holzfäller im Ruhestand, zeigte mir, wie man die Stuten richtig anspannt und die Last verteilt. Die Tiere lernten schnell, aber ich musste auch umlernen. Ein Haflinger reagiert anders als ein Motor. Er spürt, wenn das Holz hängt, und stoppt von selbst. Er geht nicht eher weiter, bis ich das Hindernis gelöst habe. Diese natürliche Vorsicht schützt den Waldboden viel besser als jede Maschine. Nach einem Jahr zog ich Bilanz: weniger Bodenverdichtung, weniger Erosion, weniger Lärm. Die Stuten fraßen während der Pausen das Gras zwischen den Bäumen – eine kostenlose Nebenleistung. Ich war überzeugt.
Warum gerade das Gebirgspferd überzeugt
Viele fragen mich, warum ich nicht auf große Kaltblüter setze. Die Antwort liegt im Gelände. Meine Flächen sind klein, oft verwinkelt, mit steilen Rinnen. Ein schweres Belgier Pferd kommt da kaum durch, ohne sich zu verletzen. Der Haflinger ist kompakter, tritt sicherer und frisst weniger. Mein Hengst wiegt 550 Kilo, aber er bewegt Lasten, für die ein 200-Kilo-Traktor nötig wäre. Der Trick liegt im tiefen Schwerpunkt und der ruhigen Gangart. Zudem sind Haflinger unglaublich genügsam. Sie stehen das ganze Jahr auf der Weide, brauchen kaum Kraftfutter und werden selten krank. Ich habe in fünf Jahren keinen Hufrehe-Fall gehabt, obwohl meine Wiesen karg sind. Die Tiere passen sich an, sie fordern nichts, sie geben alles.
Ein Beispiel aus dem letzten Herbst: Wir mussten einen Windwurf auf einem 30-Grad-Hang räumen. Der Forstarbeiter meinte, das ginge nur mit Seilkran. Ich spannte meine zwei Stuten ein, fuhr eine schmale Gasse und zog die Stämme einzeln raus. In vier Tagen war der Hang frei, ohne eine einzige Fahrspur. Der Boden blieb intakt, die Verjüngung begann sofort. Der Forstarbeiter schüttelte den Kopf. Er hatte noch nie Pferde auf so steilem Gelände gesehen. Ich zeigte ihm meine Tiere und sagte: Die können mehr, als du glaubst.
Die beste Maschine ist die, die du nach der Arbeit fütterst und die dir dafür den Boden gesund hält.
Praktische Tipps für den Einstieg
Wer selbst mit Pferden arbeiten will, sollte nicht zu große Stücke erwarten. Ein Haflinger ist kein Anfängertier. Er ist klug, aber auch stur. Sie müssen die Körpersprache lesen können. Ich empfehle, zuerst einen erfahrenen Pferdehalter zu engagieren und nicht gleich selbst loszulegen. Kaufen Sie kein billiges Tier. Ein gut ausgebildeter Haflinger kostet zwischen 3000 und 5000 Euro, aber er hält zwanzig Jahre. Dafür sparen Sie sich Reparaturen an Motoren und Reifen.
Achten Sie auf die Ausrüstung. Ein breites Brustblatt schadet mehr als es nutzt. Ich verwende ein Nackengeschirr mit breitem Kammdeckel, das den Druck auf die Schulterblätter verteilt. Die Zugkette sollte kurz sein, damit das Pferd nicht seitlich ausweicht. Und die Hufe: Lassen Sie die Tiere barfuß gehen, solange der Boden nicht zu steinig ist. Die Hufe härten aus und geben mehr Grip. Ich beschlage nur die Vorderhufe, und das nur im Winter bei Glätte.
Die Arbeit mit Haflingern hat mein Verhältnis zur Natur komplett verändert. Ich höre jetzt die Vögel, während ich arbeite. Der Geruch von Pferdeschweiß und nassem Fell ist mir lieber als Dieselabgase. Meine Kunden schätzen die Stille. Ein Landwirt sagte neulich: So leise war noch nie jemand auf meinem Hof. Das ist das schönste Kompliment. Wer es ausprobiert, wird schnell merken, dass diese Pferde mehr können als nur auf der Koppel stehen. Sie sind Arbeitspartner, keine Haustiere. Und sie machen jeden Arbeitstag zu einem Stück Lebensqualität.